Über die

Anbringung von Taubenpfeifen

(...see English version...)

 

Gedanken zur Taubenpfeife als Greifvogelabwehr...

(...siehe auch die Artikel "Angriff und Verteidigung von Brieftauben" sowie die Taubenflöten-Seite allgemein...)

Nicht nur in der Zeit um die Erfindung der Taubenpfeifen in China, sondern auch in der Neuzeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als Brieftauben noch eine wichtige Rolle im militärischen Nachrichtenverkehr spielten, dachte man darüber nach, die Tauben zum Schutz vor Greifvögeln mit Taubenpfeifen auszurüsten.
Bei der Belagerung von Paris im deutsch-französischen Krieg 1870/'71 beschäftigte sich das deutsche Militär allen Ernstes damit, die französischen, mit Brieftauben unterhaltenen Nachrichtenverbindungen mittels dressierter Falken zu unterbrechen. Diese sollten dann aufgelassen werden, wenn mit Nachrichten versehene Brieftauben im französischen Lager losflogen.
 
Natürlich war der Erfolg solcher Maßnahmen zweifelhaft, da man eine ganze Großstadt mit Falknern hätte umgeben müssen...

Besonders beschäftigte sich der Pionierhauptmann (Capitano del Genio) Giuseppe Malagoli (...machte auch Militärversuche mit Tauben für Hin- UND Rückflug über größere Strecken dressiert...) in seiner Eigenschaft als Brieftauben-Beauftragter des italienischen Heeres mit den Taubenpfeifen, gedacht wiederum als Gegenantwort auf die dressierten Falken...
(Artikel erschienen in Rivista Militare Italiana 1889)

Die Schweiz soll als eine der wenigen Nationen immer noch ein Heeres-Brieftaubenwesen unterhalten; dies zeigt die ungebrochene Bedeutung der Reserve-Nachrichtenverbindung durch Brieftauben in gebirgigem Gelände.

 

Die idelale Greifvogelabwehr müßte auf alle Sinne des Raubvogels einwirken können
und folgende Eigenschaften haben:

 

  1. Die Vorrichtung muß von der Taube getragen werden können und darf wegen des Luftwiderstands nicht zu groß sein.
    (Anmerkung: Das Bayerische Veterinäramt legte lt. Auskunft des Deutschen Flugroller Clubs das Pfeifengewicht auf max.25g fest; starke Tiere können jedoch kurzzeitig bis max. 40g tragen)

  2. ...muß von der Taube problemlos ohne längere Eingewöhnungszeit angenommen werden (Gestalt, Größe, Farbe? Ton?) und

  3. ...muß den Raubvogel abschrecken durch
     

 

Taubenrassen und Pfeifen...

Die Tauben unterscheiden sich in ihrer Fluggeschwindigkeit. Benutzte Pfeifenart und Taubenrasse sollten zueinander passen. So kann es geschehen, daß die auf schnelle Brieftauben ausgelegten Taubenpfeifen aus Java auf langsamen Tauben (manche Schmucktauben sind sogar ganz flugunfähig...) geflogen keinen Ton von sich geben. Bei diesen Langsamfliegern reicht der "Fahrtwind" während des Fluges nicht aus um die Pfeifen tönen zu lassen.

Auf Brieftauben, Tümmlern und ähnlichen, auf schnellen Flug gezüchteten Tauben, funktionieren alle Arten von Taubenpfeifen gut.

Chinesische Tauben-Pfeife
der rote Pfeil zeigt auf den Pfeifen-"Fuß", der schwarze auf das "Fuß-Loch",
durch welches beim Flug der Sicherungsring gesteckt wird (s.u.)

Die Öffnungen am Ober- und Seitenteil der Pfeife sind die Schall-Löcher der Einzelpfeifen,
in die während des Fluges der Wind eintreten muß um sie zum Klingen zu bringen...

 

  

Befestigungsweisen der Pfeifen...

Es gibt im Prinzip zwei verschiedene Befestigungs-Arten von Taubenpfeifen:
 

...chinesischer Flötentyp auf dem Schwanz getragen...

...Flöten der Insel Lombok (Indonesien) auf der Brust getragen...


mein neuer Pfeifentyp "Wolke"
mit hintereinander angeordneten Pfeifen

nach chinesischer Tradition auf dem Schwanz getragen
Gewicht 9g, Seitansicht

neuer Pfeifentyp "Baum";

nach chinesischer Tradition auf dem Schwanz getragen
Frontansicht (Anströmrichtung)
Gewicht 11g

...und von der Seite

Bei Anwendung der erstgenannten chinesischen Pfeifen (auf dem Schwanz getragen), bindet man die Kiele der beiden mittleren Steuerfedern mittels schmalen Kabelbindern zusammen.
Ca. 1,5 - 2cm entfernt vom Bürzel bindet man zwei ca. 2mm breite Kabelbinder (Reservebinder, falls einer ausfällt) um die Kiele damit diese zusammenliegen, so daß der Pfeifenfuß dazwischen paßt. Auf die Federkiele sollte dabei keine große Spannung kommen um die Federkiele nicht zu verletzen.
Den Überstand der Binder schneidet man ab.

...links der Taubenschwanz, rechts die mit einem Kabelbinder (Pfeil!)
zusammengebundenen Kiele der mittleren Schwanzfedern...

...es fehlt noch der zweite Kabelbinder!!

 

Je weiter hinten die Pfeife auf dem Schwanz aufgesetzt wird, desto tiefer liegt der Schwanz während des Fluges und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß die Pfeife nicht tönt!

Die Taubenpfeife wird mit den Schallöchern in Richtung Taubenkopf orientiert, so daß der Fahrtwind während des Fluges von vorne eintreten kann und die Pfeife zum Tönen bringt.
Der Pfeifenfuß wird nun in den Abschnitt zwischen Bürzel und den Kabelbindern von oben nach unten zwischen den Federkielen hindurchgesteckt bis das Loch im Fuß der Pfeife unterhalb der Kiele erscheint.
Durch das Fuß-Loch wird ein handlicher Sicherungsring gesteckt (Feiner Schlüsselring, Durchmesser ca. 2,5-3cm) und die Pfeife so vor dem Herausfallen gesichert.

Durchstecken des Pfeifenfußes (Pfeifenkombination chinesischen Typs)
zwischen die Schwanzfedern...

...Detail-Ansicht...

 

...und Sicherung mit feinem "Schlüsselring", der durch das Loch (Pfeile!)
im (schwarzen) Fuß der Pfeife gezogen wird...
Taubenschwanz von unten gesehen)

 

Die Gewöhnung des Vogels an die Pfeifen sollte langsam ablaufen:
 

Bei Jungtieren sollte auch der Flug keine Auffälligkeiten zeigen. Bei eingeflogenen Tauben sollte spätestens der zweite Flug mit Pfeifen wie sonst die Flüge ohne Pfeifen ablaufen.

Dieses Vorgehen ist eine schonende, reine Vorsichtsmaßnahme. Es gibt auch Berichte von Leuten, die ohne jede Gewöhnung des Vogels ebenfalls gute Erfahrungen machten!

Flugshow eines Stiches Pfeifentauben
(Dank an Reinhold Deubelli für das Photo)

 

...Flugbild einer Pfeifentaube...
Der Pfeil symbolisiert den Fahrtwind der in die Pfeife eintritt.

 

Korrekturmöglichkeit eines evtl. falschen Pfeifenwinkels...

Zu locker sitzende Pfeifen oder zu weit nach hinten geneigte Pfeifen haben das Problem, daß sie nicht korrekt vom Wind angeströmt werden und somit nicht tönen können.
Man kann sich behelfen, indem man aus Schaumstoff einen schmalen Keil schneidet, der zwischen aufgesetzter Pfeife und Schwanzfedern eingefügt wird; Keilspitze zum Taubenkopf hin.

Der Pfeifenfuß wird durch den Schlitz in der Mitte des Schaumstoffkeils und dann wie üblich zwischen den Schwanz-Federkielen durchgesteckt und mit dem Sicherungsring gesichert.

Durch den Keil wird die ganze Pfeife etwas zum Vogelkopf hin geneigt. So kann das Instrument wieder korrekt angeströmt werden und tönt.

 

 

Tauben-Handicap für Flüge...
 
Keinesfalls dürfen die Pfeifen in der Zeit der Mauser am Vogel angebracht werden.

Dies aus zwei Gründen:
 

  

 

Beste Tageszeit zum Pfeifenfliegen...

Es sollte bedacht werden, daß das v.a. das Fliegen großer (Luftwiderstand), schwerer Pfeifen (Fluggewicht) wie chinesische Multiton-Pfeifen (bis 25g; s.o.) dem Vogel einiges an Kraft abverlangen.
So ist im Sommer die Zeit um die Mittagshitze weniger geeignet Pfeifenflüge durchzuführen. Am besten sind in der heißen Jahreszeit die kühlen Morgen- und Abendstunden.

 

  

Kranke Vögel und Pfeifenflug...

Eine Selbstverständlichkeit sollte sein, die Pfeifen nur auf gesunden Tieren einzusetzen. Pfeifenflug = Kraftflug; es bedeutet für den Vogel etwas erhöhten Luftwiderstand und ein erhöhtes Fluggewicht; ein Gewicht allerdings, das ein gesunder Vogel kaum spürt - tragen doch frisch gefütterte Vögel (oder gar Überfütterte in Form von Fettpölsterchen...) dieses Zusatzgewicht bereits gewohnheitsmäßig mit sich...

 

N.B: Dieser Text ist ein erster Versuch für eine Anleitung zum Anbringen von Taubenpfeifen. Keinesfalls wird Vollständigkeit beansprucht. Jede weitere Anregung der Leser ist willkommen und soll zur Vervollständigung dieses Texts beitragen.
Möge dieser fürs Auge und Ohr interessante Sport weiter wachsen!

Dank an Herrn Reinhold Deubelli (Flugwart  des Deutschen-Flugroller-Clubs/ DFC und Taubenpfeifenbauer und -flieger) für die Anregung, die Durchsicht und Korrektur des Textes!

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Lesen und hören Sie auch das neuentwickelte Tauben-Instrument
"Tauben-Musikbogen"

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Interesse an Taubenpfeifen...?
Diese sind vorrätig...

Kritik, Anregungen, Fragen und Ihre eigenen Erfahrungen etc. sind ausdrücklich gewünscht!

Bitte Mail an Kite Musical Instruments

...zur Seite über Taubenpfeifen...
  
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Uli Wahl, all rights reserved

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...English version following...

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On the

Application of Pigeon Whistles

(...siehe deutsche Version...) 

 

Thoughts on the pigeon whistles as a defence against birds of prey

Not only around the times of the pigeon whistles' invention in China, but also in recent times at the end of 19.th century, when pigeons played an important role as carriers in military communication service, man thought on possibilities of defending pigeons against birds of prey.
When Paris/ France was besieged in French-German war of 1870/'71, the German military seriously examined methods to interrupt the French carrier-pigeon-service by means of specially trained falcons. These were inteded to be let up, whenever a messenger pigeon in the French camp was sent aloft...
However, the success of such proceedings was doubtful, for a whole town would have to be surrounded by trained falcons plus trained personnel...
See a french article with some information on the trials made by the Italian capitano (Capitano del Genio) Giuseppe Malagoli as army-pigeon-specialist, he published in the Italian military review "Rivista Militare Italiana". He not only tried whistle flights but worked (successful) on training methods for pigeons flying there AND back over distances of some 60km...

To my knowledge, the Switzerland army still has a carrier-pigeon service as reserve communication system for difficult mountaineous terrain.

 

An ideal defence against birds of prey should have an impact on all senses of the attacking birds.
The following properties are of interest:

 

  1. Concerning the weight of the apparatus it must be adapted to the pigeon (max.25g) and its size shouldn't induce a too big air-resistance.
     

  2. It should be accepted by the pigeon without problems, without a long accustoming-time (shape, size, colour, sound?)
     

  3. It has to frighten away the attacking bird by the
     

But - it seems to be likely, that the birds of prey will become accustomed to all things being around disturbing in an even manner, like man becoming used to strange sounds, colours and shining surfaces...
So, variation is the motto; that means presenting continuously changing irritations. Doing this way may be the key for success.
That's worth a trial, isn't it?

Pigeon-breeds and whistle-flights

Pigeons have different travelling speeds, however.
Whistles used and breeds of pigeons should fit.
So it may happen, that the Javanese (Indonesian) pigeon whistles being built for fast pigeons (like tumblers/ rollers or carrier pigeons) don't sound at all when flown on slowly flying pigeons (some breeds even cannot fly at all...).
On slow pigeons, during flight the windspeed is not sufficient for sounding these types of whistles.

On carrier pigeons, tumblers and similiar pigeons breeded for fast flight, all types of whistles will sound without problems.
The Chinese whistles will sound well on most pigeons.

Chinese type Pigeon-Whistle
the red arrow pointing to the whistle's "foot", the black one to the "foot's hole",
the securing ring is pulled through during flight (see below)

The openings on the whistle's top and sides are the "sound-holes" of the single whistles
the wind is entering for sounding the whistles

 

 

Methods of fastening

There are mainly two different ways of fixing pigeon whistles:
 

 

...chinese type of whistle carried on the tail-feathers...

...whistles of Lombok-Island (Indonesia)
carried on the pigeon's thorax


my new whistle type "cloud"
whistles arranged one after the other

carried on the tail following the chinese tradition
Weight 9g, side-view

new type of whistles "Tree"

carried on the tail
front-view (in wind direction)
Weight 11g

...and as side-view

For fixing the whistles firstmentioned, the feather quills of the two middle steering feathers are bound together with two narrow cable binders. About 1,5 - 2cm away from the bird's rump, two cable binders of 2mm width (one as reserve in case one of them should fail) is bound around the quills to position them side by side, just that the whistles "foot" fit between them. The surplus binder-end is cut off.

...on the left side the pigeon's rump, on the right
t
he  tail's feather-quills bound with a cable-binder (arrow!)...
...the second reserve-binder is still lacking!!

 

The more in the rear of the tail the whistle is positioned, the lower the tail is held by the pigeon during flight. In the worst case, the whistle won't sound due to a too bad/ too high inclination angle in relation to the streaming air; the air cannot reach the soundholes of the whistles!
So, place the whistle at the very beginning of the tail, not at its end!

The pigeon whistle/ its sound holes are directed towards the pigeon's head in a manner, that the streaming wind can enter the soundholes producing the sound during flight.
The "foot"-part of the flute now is stuck from the upper side of the tail, between the feather quills into the part between the rump and the cable binders, until the small hole in the "foot" appears below the quills.
The whistle now is secured by pulling the securing ring (2,5-3cm diameter) through the foot's hole; thus preventing the whistle from getting lost during flight.

  

The whistle's foor is stuck in between the featherquills
(Whistle-combination Chinese type)...

...view in detail...

 

...and the securing ring pulled through the hole (arrows!)
in the (black) foot of the whistle...
(Pigeon's tail seen from below)

The bird should get accustomed slowly to the instruments:
 

In young birds, also the flight shouldn't show anything unnormal. When the birds had its "test-flight", at least the second flight should be a normal one; just like flights without whistles.

The cable-binders can be left at the birds for some days without problems.

 

Flight-show of whistle-pigeons
(Thanks to Reinhold Deubelli  for the photo)

  

...whistle-pigeon in flight...
The arrow symbolizing the relative wind entering the whistle for sounding it.

 

Correction-possibility of a wrong whistle-angle

Whistles riding too slack or being inclinated to the rear too much, have the problem not to be sounded correctly by the speeding wind. Due to a too high inclination angle, the wind is blowing over the soundholes, unable to reach them for making the whistle sounding.
One can correct this in cutting a narrow wedge from plastic-foam (for example material of insulation mats for camping). The wedge is positioned between whistle and bound quills; the wedge's tip is directed towards the pigeon's head.
The whistle' s foot is stuck through a slit in the middle of the foam-wedge and then stuck as usual through the bound feather quills. Securing-ring mounted through the foothole as formentioned.
By this wedge, the whistle is somewhat inclined to the bird's head, thus reaching again the correct angle for being sounded by the relative wind during the bird's flight.

 

 

Handicap for whistle flying
 
Under no circumstances the whistles must be mounted on the birds during the time of moult!!

...for two main reasons:
 

  

 

Best daytime for flying

It should be considered that the flying of the heavy (chinese multitone whistles up to 25 or even 40g weight) demand some efforts from the birds.
So, in summer, the time of the midday-heat is less suitable for doing whistle flights. Best time in the hot season are the early morning- or late evening hours.

 

 

Whistles and ill birds

However, the pigeon-flutes should be flown on healthy birds only. Whistle flight means a somwhat increased wind resistance and a higher flying weight resulting in increased effort the bird needs. A weight however, a healthy bird will hardly feel - for just fed birds (or even overfed with fat-layers) are used to carry such additional weights...

 

 N.B: This text is a first little essay on an instruction how to handle pigeon flutes. In no means completeness is claimed. All suggestions sent to me by the readers are welcome to me and will serve to complete this instruction.
May it grow in future, this sport, most spectacular for eye and ear!

Thanks to Mr.  Reinhold Deubelli (Attendant of the German Flight-Roller Club) for the encouragement, checking and correction of this text!

 

 

 

Criticism, suggestions, questions and your own experiences etc. are welcome!

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